Impuls vom September 2021


Die Hauptsache besteht nicht darin, viel zu denken,

sondern viel zu lieben.

Teresa  von  Avila


Zu allen Zeiten haben Menschen, die viel (und richtig) gedacht haben, die Menschheit bereichert und zu ihrem Wohle beigetragen. Wir sollten Gott dankbar dafür und für alle Kräfte des Verstandes sein.

Etwas anderes jedoch sollten wir darüber nicht vergessen: vor Gott gilt im letzten nicht die Weite und Tiefe der Gedanken. Sein Hauptgebot ist das Gebot der Liebe. Deshalb sollte die Liebe im Mittelpunkt des Menschenlebens stehen. Denken, auch das Nachdenken über Gott, kann in die Irre führen. Liebe, die sich von den Geboten Gottes leiten läßt, bleibt auf dem rechten Weg.

Vielleicht mag sie in den Augen mancher Menschen töricht erscheinen. Damit ist sie aber der Liebe Gottes ähnlich, die sich für die Menschen ans Kreuz schlagen ließ.

Nicht die Wissenschaft und Forschung und ihre Ergebnisse haben die Welt erlöst, sondern die Liebe des Gottessohnes und das liebende  JA  eines einfachen jüdischen Mädchens. Des Mädchens mit Namen Maria, deren Geburt die Kirche am 8. September festlich gedenkt .

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns! Amen


Pfarrer i.R. Herbert Kabath



Impuls vom August 2021


Als erstes würde ich raten, dass die Christen

alle miteinander anfangen müssen,

wie Jesus Christus zu leben.


Mahatma Gandhi (1869 - 1948)


Mahatma Gandhi, der Begründer des indischen Staates, war der Verkünder einer gewaltlosen Gewalt.

Das klingt zwar wie ein schwarzer Schimmel, ist aber trotzdem wahr. Er hatte erkannt, obwohl er nie Christ war und wurde, dass die Kräfte des menschlichen Herzens gewaltiger sein können als die brutale Gewalt der Waffen. So hat er auch selbst die Unabhängigkeit für sein Volk von der Kolonialherrschaft der Engländer erreicht. Wir wären also gut beraten, wenn wir das Wort dieses großen Mannes ernst nähmen. Er hat in seiner indischen Heimat das Wirken der christlichen Missionen erlebt, und er hat dieses Werk geschätzt. Er hat aber auch - und das vielleicht noch stärker - das Versagen ungezählter Christen erlebt, die nur das Wort Christi im Munde führten, ohne es selbst zu verwirklichen.

KIRCHE ist für viele schon lange nicht mehr Lebensmittelpunkt, nicht mehr lebenswichtig. Kirche schafft es immer weniger mitten im Leben zu stehen. Die Verantwortung dafür dürfen wir nicht einfach den Bischöfen in die Schuhe schieben.

Nein, wir Christen müssen selber mitten im Leben stehen, wir müssen wirklich lebensrelevant sein, wenn wir Sauerteig sein wollen, wenn wir Brot sein sollen, das die Hoffnung mehrt. Nur wo es uns gelingt, die Frohe Botschaft wirklich zu leben, freudig weiterzugeben, ja, da, was wir vom Evangelium verstanden haben, in die Tat umzusetzen, da erstrahlt Gottes Antlitz, da wird es hell.

Wenn seit einigen Jahren von Neuevangelisierung die Rede ist, wird gefragt: "Wie funktioniert das?"

Laut einem Interview, das Clemens Pickel, der Bischof der Diözese St. Clemens in Saratow in Süd-Russland, vor einigen Monaten in Deutschland der Initiative "Maria 1.0" gegeben hat, sagte er: "War es Augustinus, der auf die Frage, wie er einen, der Christus nicht kennt, zum Glauben führen wollte, geantwortet haben soll: "Ich würde ihn 1 Jahr lang bei mir wohnen lassen"? - Mit anderen Worten: Wenn ich wirklich will, dass Neuevangelisierung gelingt, muss ich so leben, dass man es mir glaubt, dass ich glaube. Ich muss nicht perfekt sein, aber ich muss mir Mühe geben, nicht nur mal so zwischendurch.

Noch einmal anders: Persönliches Zeugnis einfach, ehrlich, mutig, ernsthaft und froh, ist wichtiger als Strategien, die in ihrer Theorie versanden“.

( "Maria 1.0" ist eine von Frauen in der röm.-kath. Kirche Deutschlands ausgehende Initiative, die sich für den Erhalt der "überlieferten kath. Lehre" und eine Neuevangelisierung einsetzt.)


Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit,

brich in deiner Kirche an,

dass die Welt es sehen kann.

Erbarm dich, Herr.


Pfarrer i.R. Herbert Kabath



Impuls vom Juli 2021


Im Psalm 48, 10-11, lesen wir: 


Deiner Huld, o Gott, gedenken wir in deinem heiligen Tempel.

Wie dein Name, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde; 

deine rechte Hand ist voll von Gerechtigkeit. 


Quer über den Marktplatz ist ein Seil gespannt. Ein Artist schiebt mit verbundenen Augen einen Schubkarren über das Seil.

Die Menge applaudiert. Der Artist fragt, ob sie ihm das Kunststück nochmals zutrauen. "Sicher“, rufen die Leute ihm begeistert zu .


Da schaut er einen Mann ganz fest an: "Sie auch?"  -  "Ohne Zweifel", sagt der Mann. "Dann kommen Sie doch hoch und setzen sich in die Schubkarre. Ich werde Sie behutsam hinüberfahren."  Da wird der Mann blass, nein, das geht ihm doch zu weit. -

 

Ist Gott für uns nicht auch oft ein Artist, von dem wir Kunststücke erwarten?

Und wir verstecken uns lieber in der Masse, damit er uns nicht persönlich anspricht?

Was aber ist, wenn Gott uns herausruft aus der Menge und uns persönlich auf das "Hochseil des Glaubens" fordert?

Trauen wir ihm zu, dass er uns sicher über´s Seil bringt? 

Oder vertrauen wir mehr unseren eigenen Sicherheiten???  

  

Pfarrer i.R. Herbert Kabath


Impuls vom Juni 2021


Wir gehören nicht zur Kirche  -  wir sind die Kirche.  

(Papst Pius XII.)

 

Das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus am 29. Juni lenkt unseren Blick auf die Kirche. Wenn am Biertisch oder auf der Straße das Gespräch auf die Kirche kommt - wenn überhaupt - tun viele katholische Christen so, als wäre das eine Einrichtung, deren man sich von Zeit zu Zeit bedient, mit der man aber selbst herzlich wenig zu tun hat.

 

Eine jahrhundertelange falsche Entwicklung und Erziehung trägt daran Schuld. Der Papst, die Bischöfe und Priester sowie Ordensleute, das zählte man früher zur Kirche. Dass wir alle, die wir auf den Namen Christi getauft sind, dazu gehören, war selbst unseren Großeltern nur mit Mühe klar zu machen. Dass diese Zugehörigkeit Mitverantwortung bedeutet, ist klar. Wer also die Kirche angreift, greift uns selbst an. Wir tun oft so, als handle es sich um irgendeinen Kegelverein, den wir kaum kennen.

Oder schämen wir uns dieser Kirche der Apostel und wissen wir so wenig zu ihrer Verteidigung zu sagen?

 

Angesichts der vielen ans Tageslicht gekommenen und aufgedeckten Missbrauchsfälle in unserer katholischen Kirche sind tausende aus ihr ausgetreten. Ich frage diesen Austretern und die, die eventuell die Absicht haben auszutreten:

Sind ihnen denn die Sakramente nichts wert?

Die Verkündigung und Auslegung des Evangeliums Jesu Christi?

Die unzählbar barmherzigen Taten, die Tag für Tag aus Nächstenliebe getan werden?

Sollte dem so sein, liebe ausgetretenen Schwestern und Brüder, dann ist es gut, was ihr getan habt. Denn ihr habt das Wesentliche, Schöne, Wichtige und Heilige unserer Kirche nicht verstanden.

Lasst ihr ernstlich diese unsere kostbare Kirche fallen wegen der Fehler und Schwächen einiger ihrer Mitarbeiter?

 

Beten wir immer wieder zum Heiligen Geist:

 

Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.

Treibe mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.

Locke mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.

Stärke mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte.

Hüte mich, Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere. Amen.  

 

 

Pfarrer i.R. Herbert Kabath

 

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